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Geschrieben am: 22/09/2016

Mont Blanc – Freney und Red Pillar of Broulliard

Titus Prinoth, Alex Walpoth und Martin Dejori waren vom 21.-24. August am Mont Blanc unterwegs und konnten dort zwei wunderbare Routen klettern:

,,Schon seit Tagen meldet der Wetterdienst eine längere Schönwetterperiode für den gesamten Alpenraum. Wieder mal fällt die Entscheidung wohin es gehen soll nicht leicht. Ein Projekt in den Dolomiten abschließen oder ein Abstecher in die Westalpen?
Schlussendlich ist die Lust nach Granitrissen, Gletschern und schneebedeckten Graten doch größer und so sitzen wir kurz drauf, bei lauter Musik von Zucchero, im Auto. Noch am selben Tag steigen wir am späten Nachmittag zum Eccles Biwak auf und werden auf den letzten Metern von einem wunderbaren Sonnenuntergang begleitet.

Der Zustieg zum Roten Pfeiler gestaltet sich am nächsten Morgen als nicht gerade einfach und so wählen wir die Bonatti-Route, um es am Nachmittag gemütlicher zu haben. Über orange-rote, kompakte Platten, perfekte Risse und Kamine schlängelt sich die Linie geschickt über die steile Wand empor. Wegen der eingerichteten Stände kommen wir sehr schnell voran und genießen jeden Meter der abwechslungsreichen Kletterei. In der warmen Sonne erreichen wir früh den Gipfel und gönnen uns eine Pause, bevor wir wieder über dieselbe Route abseilen. Wasserkochen, etwas essen und einfach nur das gewaltige Ambiente auf sich wirken lassen steht in den späten Nachmittagsstunden auf dem Programm.

Nach einer kurzen Nacht holt uns um halb 3 der Wecker aus den feinen Schlafsäcken. Kurz darauf stapfen wir im Mondlicht Richtung Col Eccles um von dort einmal abzuseilen. Die Verhältnisse sind optimal, das Geröll und lose Steine sind mit gefrorenem Schnee bedeckt und auch das blanke Eis können wir gut umgehen. Noch im Dunkeln startet Titus über die erste Seillänge. Er kommt gut voran und die vielen Seilstücke und Haken weisen ihm den Weg. Kurze Schneefelder wechseln sich mit steilen, auch anspruchsvollen, Felspassagen ab.

Im Mittelteil wird alles ein wenig unübersichtlich und man wundert sich schon hin und wieder, ob man wohl nicht doch von der Originalführe abgekommen ist. Die Kletterei ist keinesfalls banal für die klassischen Schwierigkeitsgrade.

Noch gut kann ich mich daran erinnern, wie wir am Gipfel des Mont Blanc vor drei Jahren rätselten, wie man sich wohl auf dem Freney-Pfeiler fühlen würde, wenn wir schon bei dem vergleichsweise leichten Kuffnergrat den „passo della vacca stanca“ einlegen musste… Glücklicherweise ist alles weniger anstrengend als gedacht und Alex kommt im Vorstieg sehr gut voran.

Die Chandelle ragt ähnlich dem Gran Capucin in den Himmel. In den Schlüsselseillängen stecken viele Haken, man kann jedoch auch gut frei klettern. Der Stand unter der Seillänge mit dem berühmten Kamin ist für Alex und Titus nicht gerade bequem und so ziehe ich mich, um Zeit zu sparen, an allem hoch was mir in den Weg kommt. Immer wieder denke ich an Giorgio, unseren Freund aus Genua, der mich für diesen Kletterstil sicher loben würde!
Der Gipfel der Chandelle ist klein und überall hängen Seile. Man stellt sich die Frage, was andere damit wohl gemacht haben… Nach einem kurzen Abseiler gelangt man in kombiniertes Gelände welches direkt in Richtung Gipfel führt.

Kurz nach fünf Uhr freuen wir uns am höchsten Punkt zu stehen und genießen den atemberaubenden Ausblick. Der lange Abstieg vergeht im Nu und eingebettet zwischen den Lichtern tief unten im Tal und den Sternen am Himmel fallen wir in einen tiefen Schlaf.
Die ersten Sonnenstrahlen lassen uns langsam aus den Schlafsäcken kriechen. Glücklich treten wir den Weg zurück in die überfüllten Straßen von Chamonix an. Das Gefühl wieder unten zu sein fühlt sich angenehm an, vergeht aber so schnell wie es gekommen ist, und man denkt schon wieder an andere Orte wo man solche Abenteuer leben kann“.

Geschrieben von Martin Dejori.